Martin Schmurr




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Meine Mutter gebar mich vor langer Zeit am Ende der Welt, wo die Autobahnausfahrten immer spärlicher werden und ihre Namen immer schroffer, wie zwischen zwei Sturmböen herausgestoßen: Kropp, Tarp...

So wollte ich gleich nach dem Abitur aus Schleswig in das warme Heidelberg, aber meine Eltern bestanden auf Kiel...Zum Glück lag das nördlichste Uni-Übersetzerinstitut Deutschlands in Heidelberg!




Nach drei Semestern sattelte ich um auf Lehramt Englisch und Französisch. Dazu sollte man gern ein Jahr in Frankreich verbringen. Die Côte d'Azur war wohl bei allen begehrt...aber vielleicht kam ja keiner auf die Idee, sich für Korsika zu bewerben - und so war es: ich bekam die Assistant-Stelle in Bastia!

Von Bastia aus machte ich mehrere Kurztrips nach Italien und entdeckte dabei, dass es dort nicht nur im Sommer schön ist! So bewarb ich mich, nach zwei Monaten in Torquay/Devon und noch mal acht Monaten in Frankreich (diesmal an der belgischen Grenze), um eine Stelle als Deutschassistent in Udine - und es klappte!


Dort wurde ich herzlich aufgenommen, so dass ich mich entschied, für immer dort zu bleiben. Aber zunächst machte ich die berüchtigten Referendarjahre an Gymnasien... Als ich danach wieder nach Udine kam, hatte sich viel verändert: die lustigen jungen Kumpel waren aus meinem Chor ausgetreten, und ich war inzwischen zu alt, um noch einmal als "Pirat" an der Scuola interpreti in Triest Freunde zu finden...

Nun, ich lernte eine Frau kennen; als sie nichts mehr von mir wissen wollte, wurde gerade der Universitätschor gegründet: dort fand ich viele Freunde, und wir hatten jede Menge Spaß; als der Chor sich plötzlich auflöste, verlor ich all diese Freunde, aber ich fand bald andere: jeden Sonntag wanderten wir durch die vielseitige Friauler Landschaft! Aber...







...eines Tages beschloss unser Organisator, Fußballfan zu werden, und die anderen wollten entweder 12 Stunden im Regen wandern oder 10 Minuten Schaufensterbummeln, nichts dazwischen. Da legte ich mir dann eine Katze zu, die sehr lieb ist, aber bis ich eine Frau fand, die so unkompliziert ist, dass unser Glück keine Grenzen kennt, musste ich weitere neun Jahre warten, bis ich 47 war - man sieht, es ist nie zu spät!

Mit der Arbeit hatte ich dagegen von Anfang an Glück, und seit acht Jahren unterrichte ich sogar an einem bildschönen Europagymnasium, siehe Foto!